Warum Naturerfahrungen für Kinder so wertvoll sind

Warum Natur für Kinder einer der wichtigsten Lernräume ist

Wann hast du zuletzt einem Kind dabei zugesehen, wie es etwas in der Natur entdeckt hat?

Vielleicht war es ein Marienkäfer auf einem Blatt. Eine Schnecke nach einem Regenschauer. Oder die Sonnenblume, die im Sommer jeden Tag ein kleines Stück größer wurde.

Für Erwachsene mögen solche Momente unscheinbar wirken. Für Kinder können sie faszinierend sein. Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der digitale Medien viele Bereiche des Alltags prägen. Umso wertvoller werden Momente, in denen sie ihre Umwelt mit allen Sinnen entdecken können.

Aktuelle Ergebnisse der repräsentativen miniKIM-Studie zeigen, dass fast jedes zweite Kind zwischen zwei und fünf Jahren täglich digitale Angebote nutzt. Zudem verfügt bereits jedes fünfte Kind über ein eigenes Tablet und etwa jedes zehnte Kind über ein Smartphone.

Gerade in den ersten Lebensjahren lernen Kinder vor allem durch eigenes Erleben. Sie beobachten, berühren, riechen, hören und probieren aus. Die Natur bietet dafür einen besonderen Erfahrungsraum.

Eine systematische Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift PLOS ONE deutet darauf hin, dass Naturerfahrungen die Entwicklung von Kindern auf vielfältige Weise unterstützen können. Sie werden unter anderem mit positiven Auswirkungen auf Bewegung, Konzentration, soziale Interaktion sowie das allgemeine Wohlbefinden in Verbindung gebracht.

 

Die Natur als Lernraum

Für Erwachsene ist eine Pflanze oft einfach nur eine Pflanze.

Für ein Kind kann sie ein kleines Wunder sein.

Wie passt eine ganze Pflanze in einen winzigen Samen? Und woher weiß sie eigentlich, in welche Richtung sie wachsen soll?

Genau solche Fragen machen die Natur zu einem besonderen Lernraum.

Wenn Kinder einen Samen einpflanzen, beobachten sie nicht nur, wie eine Pflanze wächst. Sie erleben Veränderungen, stellen Fragen und versuchen, Zusammenhänge zu verstehen.

Das Besondere daran: Kinder lernen nicht, weil sie lernen sollen. Sie lernen, weil sie neugierig sind.

Eigene Erfahrungen helfen ihnen dabei, neue Zusammenhänge zu verstehen und Gelerntes mit dem zu verbinden, was sie selbst erlebt haben.

 

Was Kinder beim Pflanzen ganz nebenbei lernen

Eine Pflanze ist weit mehr als nur eine Pflanze.

Sie kann Kindern auf spielerische Weise wichtige Erfahrungen vermitteln.

Geduld

Ein Samen keimt nicht über Nacht.

Manchmal passiert tagelang scheinbar nichts. Dann zeigt sich plötzlich ein erster grüner Keimling.

Kinder erleben, dass manche Dinge Zeit brauchen und Wachstum Schritt für Schritt geschieht.

Selbstwirksamkeit

Wenn aus einem kleinen Samen eine Pflanze wird, sehen Kinder unmittelbar, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann. Sie haben gepflanzt, gegossen und gepflegt und können beobachten, wie daraus etwas Neues entsteht.

Ein systematisches Review zur naturbasierten frühkindlichen Bildung kommt zu dem Ergebnis, dass solche Erfahrungen die soziale und emotionale Entwicklung unterstützen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken können.

Neugier

Warum sieht die Pflanze heute anders aus als gestern? Wann kommt das nächste Blatt? Und warum wächst die eine Pflanze schneller als die andere?

Pflanzen verändern sich ständig und geben Kindern damit immer wieder Anlass für neue Beobachtungen und Fragen.

Aus einem kleinen Samen kann so ganz von selbst ein kleines Forschungsprojekt werden.

Gemeinsam entdecken

Naturerfahrungen werden oft zu gemeinsamen Erlebnissen.

Ob mit Eltern, Geschwistern, Freundinnen und Freunden oder in der Kita: Pflanzen laden dazu ein, gemeinsam zu beobachten, zu lernen und sich über kleine Fortschritte zu freuen.

So entstehen nicht nur neue Pflanzen, sondern oft auch Gespräche, Erinnerungen und gemeinsame Rituale.

Natur bietet Raum für freies Entdecken

Anders als viele vorgegebene Aktivitäten lässt die Natur offen, was Kinder als Nächstes entdecken.

Ein Käfer unter einem Blatt, die ersten Wurzeln einer Pflanze oder ein Keimling, der gestern noch nicht zu sehen war: Kinder können selbst entscheiden, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten und welchen Fragen sie nachgehen möchten.

Es geht nicht darum, möglichst schnell zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Es geht um Neugier, Ausprobieren und darum, die Umwelt im eigenen Tempo zu entdecken. Gerade diese offenen Erfahrungsräume machen die Natur zu einem besonderen Ort für kindliches Lernen.

 

Wie Naturerfahrungen Teil des Alltags werden können

Es braucht nicht immer einen großen Garten oder einen Ausflug in den Wald, um Kindern Natur näherzubringen.

Schon ein kleiner Topf, etwas Erde und ein Samen können einen Anlass schaffen, über Tage und Wochen zu verfolgen, wie etwas Neues entsteht.

Diese Idee hat uns bei Nowa Bloom dazu inspiriert, Naturerfahrungen spielerisch in den Alltag zu integrieren.

Aus genau diesem Gedanken entstand unser Kinderkalender aus Samenpapier.

Der Kalender begleitet Kinder durch zwölf Monate und stellt jeden Monat eine neue Pflanze vor. Nach dem jeweiligen Monat kann das Kalenderblatt eingepflanzt werden. Mit etwas Wasser, Licht und Geduld können aus den enthaltenen Samen neue Pflanzen entstehen.

Kinder können selbst einpflanzen, gießen und verfolgen, wie sich ihre Pflanze entwickelt. Gemeinsam kann beobachtet werden, wann der erste Keimling erscheint, wie sich die ersten Blätter entwickeln und was eine Pflanze braucht, um zu wachsen.

So wird aus einem Kalender nicht nur ein Begleiter durch das Jahr. Er schafft zwölf kleine Gelegenheiten, Natur zu erleben, Verantwortung zu übernehmen, Geduld zu erfahren und gemeinsam neugierig zu bleiben.

Denn vielleicht braucht es manchmal gar nicht viel, um Kindern die Natur näherzubringen.

 

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Quellen
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. (2024). miniKIM-Studie 2023: Kleinkinder und Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger in Deutschland. https://mpfs.de/studie/minikim-2023/
Dankiw, K. A., Tsiros, M. D., Baldock, K. L., & Kumar, S. (2020). The impacts of unstructured nature play on health in early childhood development: A systematic review. PLOS ONE, 15(2), e0229006. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0229006
Mann, J., Gray, T., Truong, S., Sahlberg, P., Bentsen, P., Passy, R., Ho, S., Ward, K., Cowper, R., Wells, V., & McCrorie, P. (2022). Nature-based early childhood education and children’s social, emotional and cognitive development: A mixed-methods systematic review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(10), 5967. https://doi.org/10.3390/ijerph19105967

 

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